Warum streiken?
Nach dem bisherigen Höhepunkt, dem Klimastreik am 20.09.2019 mit über 1,4 Millionen Teilnehmenden in 575 deutschen Orten und Städten, hat die Beteiligung an den Streiks wieder abgenommen. Zum einen erschwerte die Corona-Pandemie Massenveranstaltungen, zum anderen scheint das Thema Klimaschutz in der Politik endlich angekommen zu sein. Mittlerweile gibt es eine Bundesregierung mit grüner Beteiligung, ein Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz(!), den Kohleausstieg 2030 und breite Debatten über mehr Windräder und Energiesparen … läuft doch?
Nein! Vieles geht in die richtige Richtung, aber es bewegt sich immer noch zu wenig, zu langsam, und manches sogar in die falsche Richtung. Es gibt also weiterhin gute Gründe, für Klimaschutz auf die Straßen zu gehen:
- Deutschland ist nicht annähernd auf Kurs, seine im Pariser Klimaabkommen zugesagte Verringerung von Treibhausgasen einzuhalten.
- Nicht mal das Ziel im Klimaschutzgesetz – Klimaneutralität bis 2045 – ist vereinbar mit dem Ziel, die Erderhitzung auf unter 2 °C zu halten.
- Vor allem die Sektoren Verkehr und Gebäude werden die Reduktionsziele auf absehbare Zeit verfehlen. Aber auch die Energiewende kommt noch zu langsam voran.
- Das FDP-geführte Bundesverkehrsministerium denkt nicht mal daran, die im Klimaschutzgesetz verlangten Maßnahmen einzuhalten. Statt erwiesen wirksamer und einfacher Maßnahmen wie einem Tempolimit soll hingegen trotz Klimakrise an Autobahn-Neubauprojekten festgehalten werden, am liebsten zehnspurig.
- Für die kurzfristige Bewältigung der Energiekrise wird auf Kohle und besonders klimaschädliches LNG-Gas gesetzt, und in Windeseile Kapazitäten in einem Ausmaß hochgezogen, die ein verlängertes Festhalten am fossilen Energieträger bewirken könnten.
- Die Klimakrise ist längst hier. Temperaturrekorde werden jedes Jahr aufs Neue gebrochen. Ein weiteres Dürrejahr steht höchstwahrscheinlich bevor. Europa vertrocknet.
- Gleichzeitig werden die Alarmsignale aus der Wissenschaft immer lauter und drastischer. Das 1,5-Grad-Ziel ist quasi nicht mehr einzuhalten. UN-Generalsekretär Guterrez warnt vor einem «Massensterben von biblischem Ausmaß».
Klimaschutz ist in Deutschland weiterhin eher folgenloses Lippenbekenntnis denn Agenda. Immerhin, dass die drohende Klimakatastrophe überhaupt Thema ist, ist dem massiven Druck der Protestbewegung zu verdanken. Darum muss sie weitermachen, und damit alle, denen eine auch in Zukunft bewohnbaren Welt am Herzen liegt.
Streiken Sie mit!
Sie sind also mit gefragt, am 3. März ein Zeichen zu setzen, dass Klimaschutz vorzutäuschen nicht reicht. Das ist umso wichtiger, da sich in der allgemeinen Wahrnehmung der Eindruck zu verfestigen scheint, dass Klimaschutz das Hobby der Fridays-For-Future-Generation sei. Dabei betrifft die Klimakrise jetzt schon alle Menschen, durch extreme Temperaturen, Extremwetter, Dürren – und die ärmsten Menschen trifft sie am meisten. Das Zeitfenster, das Schlimmste noch zu verhindern, schließt sich. Massive Veränderungen müssen jetzt vorgenommen werden. Die Menschen, die das verstanden haben, müssen sichtbar sein, und laut. Kurzum: Kommen Sie mit!
Jetzt vorbereiten
Damit der Klimastreik ein Erfolg wird, braucht es viele helfende Hände. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, etwas beizutragen.
- Die einfachste und wichtigste ist natürlich: mitstreiken! Auf klima-streik.org finden Sie eine Übersicht der Veranstaltungen – eine ist bestimmt in Ihrer Nähe.
- Bereiten Sie sich jetzt vor: Für Arbeitnehmer:innen ist das besonders wichtig, das jetzt schon im Kollegium anzukündigen und möglichst viele Kolleg:innen zum Mitmachen zu überzeugen. Genaueres haben wir im nächsten Abschnitt zusammengestellt.
- Helfen Sie mit bei der Mobilisierung! Machen Sie in Ihrem Bekannten- und Freundeskreis auf den Klimastreik aufmerksam, vielleicht verabreden Sie sich gleich. Nutzen Sie die sozialen Netzwerke, umauf den Klimastreik hinzuweisen. Ideen und Material finden Sie auf der Seite der Parents For Future.
- Nicht zuletzt können Sie die Organisationen auch finanziell unterstützen. Mobilisierung, Organisation und Veranstaltungstechnik kosten die ehrenamtlich agierenden Gruppen eine Menge Geld. Auf diesen Seiten www.klima-streik.org oder fridaysforfuture.de können Sie einfach und sicher eine Online-Spende vornehmen.
Für Arbeitnehmer:innen
Klar, einige Berufe lassen es nicht zu, sich mittags zur Zeit der Demo vom Arbeitsplatz zu entfernen. Aber einige andere, gerade Bürojobs, eben schon. Rechtlich gibt es zwar keinen Anspruch, in der Arbeitszeit für Anliegen zu streiken, die nicht Ihr Beschäftigungsverhältnis betreffen. Doch wo ein Wille ist, wird sich ein Weg finden.
- Kommunikation ist alles. Sprechen Sie sich mit Kolleg:innen und Vorgesetzten ab, ob Sie die Mittagspause am 3. März verlängern können.
- Suchen Sie Mitstreiker:innen. Besonders erfolgversprechend wird das Gesuch, wenn Sie sich zusammentun und den Wunsch als Gruppe vorbringen.
- Bieten Sie an, wie Sie die Abwesenheitszeit ausgleichen können, durch Vor- oder Nacharbeit, oder machen Sie einen Überstundenausgleich geltend.
- In Teams, bei denen immer jemand erreichbar sein muss, sollten Sie einen Plan präsentieren, wie Sie das gewährleisten können.
- Blockieren Sie die Zeit im Kalender, um dann keine Meetings wahrnehmen zu müssen.
- Es gibt immer die Möglichkeit, einen (halben) Urlaubstag zu nehmen oder Überstunden abzubauen.
- Wenn Sie selbst in leitender Position sind, können Sie ein starkes Zeichen setzen, indem Sie Ihren Mitarbeiter:innen die Teilnahme am Streik ermöglichen und sie dazu ermutigen.
Bei den EWS werden traditionell zwei Stunden zur Streikteilnahme gutgeschrieben (der telefonische Kundenservice ist trotzdem erreichbar).
Sind Sie dabei? Dann sehen wir uns auf der Straße, etwa in Lörrach, in Berlin oder Freiburg.
«Fridays for Future» im EWS Store
Wir selbst haben einen Infostand auf der Demo in Freiburg und wie schon beim letzten Klimastreik wird der Freiburger EWS Storeals Anlaufpunkt für die lokale «Fridays for Future»-Gruppe dienen. In den nächsten Tagen gibt es dort mehrere Mal- und Bastelaktionen mit «Fridays for Future»-Aktivist:innen für die Herstellung von Bannern und Plakaten. Dafür hat unsere Kollegin Simone Herpich dankenswerterweise Material wie Holz, Farben und Werkzeug besorgt. Am Tag des Klimastreiks wird der EWS Store dann für «Fridays for Future» reserviert sein und von diesen als Lager- und Pausenraum, Social Media-Arbeitsplatz und für ihre Pressekonferenz genutzt. Hier mehr Infos zu unserem EWS Store